Neue Fondsbesteuerung

Wer die neue Besteuerung kennt, steuert auf Anlagegeschäfte mit geringeren Aufwänden zu.

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Die neue Fondsbesteuerung – Potenziale wahrnehmen. Ein Überblick über das neue Investmentsteuerreformgesetz

Im Juli 2016 wurde die Reform der Investmentbesteuerung (InvStRefG) verabschiedet. Damit ändert sich ab dem 01.01.2018 das Besteuerungsprinzip für Publikumsfonds, insbesondere für Aktienfonds, Mischfonds und Immobilienfonds. Auf den folgenden Seiten finden Sie alle wichtigen Informationen zum Wegfall des Bestandsschutz, der Besteuerung auf Fondsebene, der Besteuerung auf Anlegerebene in Bezug auf Ausschüttungen, der Vorabpauschale, der neuen Besteuerung beim Verkauf eines Fonds und die Umsetzung in der Praxis. Zusätzlich finden Sie eine Übersicht mit den wichtigsten Begriffen und Fragen und Antworten.

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Basis-Informationen – die wichtigsten Fakten für Sie.

  • Wegfall des Bestandsschutzes für Fondsaltbestände (Kauf vor 2009). Ein Freibetrag von 100.000 Euro pro Anleger federt die Folgen aber deutlich ab.
  • Für deutsche Fonds müssen auf bestimmte inländische Erträge Steuern in Höhe von 15% bezahlt werden. Somit werden inländische und ausländische Fonds, die Dividenden ansparen oder ausschütten, künftig nach derselben Systematik besteuert.
  • Versteuern müssen die Fonds künftig Dividenden, Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien, falls diese Einkünfte aus Deutschland stammen.

Geringere Aufwände – für die Besteuerung sowie Finanzverwaltung.

Zukünftig sind für die Besteuerung anstatt bisher 33 nur noch 4 Kennzahlen erforderlich:

  • Höhe der Ausschüttung
  • Wert des Fondsanteils am Jahresanfang
  • Wert des Fondsanteils am Jahresende
  • die Art des Fonds (Aktienfonds, Mischfonds, Immobilienfonds oder sonstiger Investmentfonds). Damit lässt sich die Höhe der Abgeltungssteuer einfacher und schneller berechnen.

Wieder mehr Zeit für neue Ideen – Arbeit verringert sich für Fondsanleger.

Ab 2018 wird direkt von der depotführenden Stelle die Investmentfondssteuer berechnet und einbehalten. Für Sparer ist dies gerade für im Ausland aufgelegten thesaurierenden Fonds interessant, es müssen nun keine Extra-Angaben mehr in der Steuererklärung gemacht werden und keine Unterlagen mehr aufhoben werden.

Besteuerung auf Fondsebene

Nach dem neuen Investmentsteuergesetz müssen Fondsgesellschaften ab dem 01.01.2018 15% der Bruttodividenden und Immobilienerträge (Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien) versteuern, alle anderen Ertragsarten bleiben auf Fondsebene steuerfrei.

Besteuerung auf Anlegerebene

Der Anleger muss nach dem neuen Steuergesetz bei Fonds, die Erträge ausschütten, diese Ausschüttungen versteuern. Zusätzlich ist gegebenenfalls eine Vorabpauschale steuerpflichtig. Bei thesaurierenden Fonds ist ebenfalls eine Vorabpauschale vom Anleger zu versteuern, sofern der Fonds im zurückliegenden Kalenderjahr einen Wertzuwachs vorweisen kann.

Ausschüttung

Bei der Besteuerung von Ausschüttungen wird die unterschiedliche Besteuerung auf Fondsebene berücksichtigt und es gibt in Abhängigkeit vom Fondstyp sogenannte Teilfreistellungen (TF). Diese liegen bei Aktienfonds bei 30% und bei Mischfonds bei 15%. Bei Immobilienfonds liegen die Teilfreistellungen bei 60%, wenn mehr als die Hälfte der Immobilien in Deutschland sind, bei im Ausland investierten Immobilienfonds beträgt die Teilfreistellung 80%.

Die Ausschüttungen werden nach Kürzung durch die Teilfreistellungen in voller Höhe besteuert. Die genannten Sätze gelten für Privatpersonen, für juristische Personen (Betriebliche Anleger und Körperschaften) sind andere Sätze festgelegt. Anbei alle Sätze kompakt in einer Tabelle:

Fondstyp Anlegertyp Teilfreistellung
Aktienfonds (mind. 51% in Aktien investiert) Privatanleger 30%
Betriebliche Anleger (juristische Personen) 60%
Körperschaften 80%
Mischfonds (mind. 25% in Aktien investiert) Privatanleger 15%
Betriebliche Anleger (juristische Personen) 30%
Körperschaften 40%
Offener Immobilienfonds (mind. 51% in inländische Immobilien investiert) alle Anlegertypen 60%
Offener Immobilienfonds (mind. 51% in ausländische Immobilien investiert) alle Anlegertypen 80%

Diese Teilfreistellungssätze gelten übrigens für alle Erträge eines Fonds, das heißt auch Erträge eines Aktienfonds, die beispielsweise aus in dem Fonds enthaltenen Anleihen stammen, können die Teilfreistellungen in Höhe von 30% nutzen.

Beispiele

Ein Anleger hatte im Jahr 2016 100 Anteile des DWS Top Dividende (DE0009848119), einen ausschüttenden Aktienfonds, im Depot, der Fonds hatte im November 3,10 Euro pro Anteil ausgeschüttet, der Anleger hatte also 310 Euro Erträge erhalten, wovon 48,38 Euro Steuern abgeführt wurden, 261,62 Euro wurden wiederangelegt. Hätte in diesem Jahr bereits das neue Steuergesetz gegolten, hätte sich die Höhe der Steuer folgendermaßen berechnet:

310 Euro (Ausschüttung) * 70% (Abzug TF Aktienfonds) * 26,375% (KeSt+Soli) = 57,55 Euro

Weiterhin hatte der Anleger im gleichen Jahr 14 Anteile des Carmignac Patrimoine (FR0010135103), einem thesaurierenden Mischfonds im Depot. Die Höhe der Thesaurierung wurde ihm von der Depotbank mitgeteilt und er musste diese bei seiner Steuererklärung angeben. Nach dem neuen Gesetz entfällt dies. Die Depotbank führt keine Steuern auf den Thesaurierungsbetrag ab.

Vorabpauschale

Für die Ermittlung der mit dem neuen Investmentsteuergesetz neu eingeführten Vorabpauschale sind die im Folgenden beschrieben Parameter wichtig. Der Basisertrag (BE) errechnet sich aus dem Wert der Fondsanteile zum Jahresbeginn multipliziert mit dem vom Bundesfinanzministerium festgelegten Basiszinssatz (BZ) für die Kapitalisierung (aktuell 1,1%) gekürzt durch einen Kostenabschlag in Höhe von 30%. Der Wertzuwachs (WZ) ergibt sich aus dem Wert der Fondsanteile zum letzten Börsentag des Jahres abzüglich des Wertes am ersten Börsentag des gleichen Jahres.

Basisertrag (BE) = Fondspreis zum Jahresbeginn * Basiszins (BZ) * 70%

Wenn ein Fonds im betreffenden Jahr ausgeschüttet hat, muss zunächst geprüft werden, ob eine Vorabpauschale zu zahlen ist. Diese wird fällig, wenn der Basisertrag des Fonds höher ist, als die Ausschüttung. In diesem Fall wird die Differenz zwischen Basisertrag und Ausschüttung steuerpflichtig, allerdings nur, wenn der Basisertrag geringer ist, als der tatsächliche Wertzuwachs in dem betreffenden Kalenderjahr.

Ist der Basisertrag höher als der tatsächliche Wertzuwachs wird die Differenz zwischen Wertzuwachs und Ausschüttung besteuert. Wenn der Fonds keine Ausschüttungen gezahlt hat, wird in der Regel eine Vorabpauschale fällig, also beispielsweise bei thesaurierenden Fonds, es sei denn der Fonds hatte im betreffenden Kalenderjahr einen Verlust (negativer Wertzuwachs).

Beispiele

Für die 14 Anteile des Carmignac Patrimoine (FR0010135103) müsste der Anleger also eine Vorabpauschale zahlen, wenn 2016 das neue Steuergesetz schon gegolten hätte, denn Ausschüttungen sind ihm ja nicht zugeflossen und der Wert der Fondsanteile lag Anfang des Jahres (AW) bei 8.787,52 Euro und am Ende (EW) bei 9.088,94 Euro, was einem Wertzuwachs von 301,42 Euro entspricht. Die Höhe der Vorabpausche ist auf den gesamten Basisertrag fällig, es ergibt sich folgender Wert:

8.787,52 Euro (AW) * 1,1% (BZ) * 70% (KA) = 67,66 Euro (BE)
67,66 Euro (BE) * 85% (TF) * 26,375% (KeSt+Soli) = 15,17 Euro Steuern.

Für die 100 Anteile des DWS Top Dividende (DE0009848119) muss geprüft werden, ob eine Vorabpauschale hätte gezahlt werden müssen, wenn 2016 das neue Gesetz schon gegolten hätte. Der Wert der Fondsanteile lag Anfang des Jahres (AW) bei 11.378,00 Euro und am Ende (EW) bei 12.153,00 Euro, was einem Wertzuwachs (WZ) von 775,00 Euro entspricht.

11.378,00 Euro (AW) * 1,1% (BZ) * 70% (KA) = 61,33 Euro (BE)

Da dieser Basisertrag geringer ist als die Ausschüttung (310 Euro) wird keine Vorabpauschale fällig. Hätte der Fonds eine geringere Ausschüttung ausgezahlt, beispielsweise nur 0,40 Euro pro Anteil, müsste die Differenz als Vorabpauschale versteuert werden.

61,33 Euro (BE) – 40 Euro (Ausschüttung) = 21,33 Euro
21,33 Euro * 70% (TF) * 26,375% (KeST+Soli) = 3,94 Euro Steuern.

Wäre der Wertzuwachs des Fonds allerdings geringer, als der Basisertrag, so würde der Wertzuwachs für die Besteuerung herangezogen. Wenn dieser beispielsweise bei nur 60 Euro gelegen hätte, ergäbe sich folgende Rechnung.

60 Euro (WZ) - 40 Euro (Ausschüttung) = 20 Euro
20 Euro * 70% (TF) * 26,375% (KeST+Soli) = 3,69 Euro Steuern.

Wäre der Wertzuwachs des Fonds geringer als die Ausschüttung, würde sich ein negativer Wert ergeben und es wäre keine Vorabpauschale fällig.

Vorabpauschale beim Sparplan

Für Anleger, die einen Fondsanteil erst im Lauf des Jahres kaufen oder regelmäßig im Sparplan ansparen, berechnet sich auch die Vorabpauschale anteilig: Für jeden vollen Monat, der dem Kaufdatum des Fondsanteils vorangeht, verringert sich die Pauschale um ein Zwölftel.

Besteuerung beim Verkauf

Beim Verkauf von Investmentfonds konnte bisher die im Ausland vom Fonds abgeführte Quellensteuer auf die Abgeltungssteuer angerechnet werden, ab 2018 können Quellensteuern für Dividenden nicht mehr auf die Abgeltungssteuer angerechnet werden.

Die während der Haltedauer des Fonds vom Anleger versteuerten Vorabpauschalen können nach dem neuen Investmentsteuergesetz vom Veräußerungsgewinn abgezogen werden. Da nach dem neuen Gesetz die Vorabpauschale auch bei ausländisch thesaurierenden Fonds fällig ist, wird deren Besteuerung mit diesem Gesetz deutlich einfacher und eine Doppelbesteuerung wird vermieden. Hierzu bietet sich ein Vergleich des alten mit dem neuen Gesetz an.

Bisher wird dem Anleger ausländisch thesaurierender Fonds die Höhe der vom Fonds erzielten ausschüttungsgleichen Erträge mitgeteilt und dieser muss die Erträge in seiner Steuererklärung angeben und versteuern. Beim Verkauf dieser Fonds ist die Depotbank verpflichtet auf alle Erträge die Abgeltungssteuer zu erheben, dies gilt auch auf die Erträge der Thesaurierungen und zwar für die gesamte Haltedauer des Fonds.

Hierfür gibt es für jeden ausländisch thesaurierenden Fonds den sogenannten kaE-Wert, welcher die kumulierten ausschüttungsgleichen Erträge (=kaE) des Fonds beziffert. Zum Zeitpunkt des Verkaufes wird auf die Differenz des kaE-Wertes zum Verkauf mit dem kaE-Wert beim Kauf Abgeltungssteuer fällig und von der Depotbank abgeführt. Der Anleger hat diese Erträge aber bereits über seine Steuererklärung versteuert, muss dies nun dem Finanzamt nachweisen und erhält dann die doppelt abgeführte Steuer zurück erstattet.

Zukünftig wird für ausländisch thesaurierende Fonds eine Steuer auf die Vorabpauschale fällig und von der Depotbank abgeführt, solange diese Fonds einen Wertzuwachs haben. Beim Verkauf von Fonds werden zukünftig die bereits versteuerten Vorabpauschalen vom Veräußerungsgewinn abgezogen.

Für Privatanleger war der Mehraufwand bei der Steuererklärung für ausländische thesaurierende Fonds erheblich. Jedes Jahr mussten die wiederangelegten Dividenden (ausschüttungsgleiche Erträge) aus der Jahressteuerbescheinigung der Depotbank und die zugehörige „anrechenbare Quellensteuer“ in die Steuererklärung übertragen werden. Ebenso mussten sämtliche Unterlagen als Beleg bis zum Verkaufstag aufgehoben werden. Die auf die Abgeltungssteuer anrechenbare Quellensteuer mussten Anleger von Hand übertragen. In Zukunft sind alle diese Vorgänge nicht mehr notwendig.

Wegfall Bestandsschutz (Kauf der Fondsanteile vor 2009)

Bisher gilt die Regelung, dass Investmentfondsanteile, die vor dem 01.01.2009 erworben wurden, eine Steuerfreiheit für Gewinne aus Kurssteigerungen genießen. Dieser Bestandsschutz entfällt mit dem neuen Investmentsteuergesetz zum 01.01.2018. Bei Verkäufen nach dem 01.01.2018 entsteht auf Kursgewinne dieser Fondsanteile eine Steuerpflicht.

Die Höhe der zu versteuernden Kursgewinne ergibt sich aus dem Fondspreis zum Tag des Verkaufs abzüglich des Preises zum 01.01.2018, alle bis dahin erzielten Kursgewinne bleiben also weiterhin steuerfrei.

Jeder Anleger hat zusätzlich einen Freibetrag von 100.000 in dessen Rahmen keine Steuern beim Verkauf dieser Fondsanteile erhoben werden. Da dieser Freibetrag personenbezogen ist, ergibt sich bei Gemeinschaftsdepots ein Freibetrag von 200.000 Euro.

Beispielrechnung: Verkauf Altbestände

Die Werte bis heute sind reale Werte, die zukünftigen Werte mit einer fiktiven Wertsteigerung von 5% jährlich hochgerechnet.

Ein Anleger hat im November 2008 eine Summe von 20.000 Euro in den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen (DE000A0M8HD2) investiert, diese Anlage ist im Juli 2017 rund 71.000 Euro wert. Bei einer angenommenen jährlichen Wertsteigerung von 5% beträgt der Wert der Anlage zum Stichtag des Wegfalls des Bestandsschutzes am 31.12.2017 ca. 73.000 Euro. Die bis dahin erzielten 53.000 Euro Gewinn sind in jedem Fall steuerfrei.

Der Anleger hält den Fonds weiter bis 2022 und verkauft diesen dann. Da es sich um einen thesaurierenden Aktienfonds handelt, muss nach dem neuen Gesetz jährlich eine Vorabpauschale versteuert werden, erstmalig im Januar 2019. Die Höhe der Vorabpauschale beträgt anfänglich rund 560 Euro und steigt entsprechend der Wertsteigerung des Fonds jährlich. Die Steuer auf die Vorabpauschale beträgt anfänglich rund 100 Euro.

Für die Zeit nach dem Wegfall des Bestandsschutzes bis zum Verkauf im Jahr 2022 hat der Anleger auf rund 2.400 Euro Vorabpauschale rund 450 Euro Abgeltungssteuer gezahlt. Das Fondsvermögen hat zum Zeitpunkt des Verkaufs einen Wert von rund 90.000 Euro, davon wären 17.000 Euro Kursgewinne ab 01.01.2018, wovon die Vorabpauschalen von 2.400 Euro abgezogen werden könnten, somit verbleibt ein zu versteuernder Gewinn von 14.600 Euro.

Da dem Anleger ein Freibetrag von anfänglich 100.000 Euro auf die Altbestände zur Verfügung steht, muss er diesen Gewinn nicht versteuern, wenn dieser Freibetrag noch in ausreichender Höhe vorliegt. Der gesamte Gewinn auf die Kurssteigerungen in Höhe von 70.000 Euro wäre also steuerfrei.

Beispielrechnung anhand Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen (DE000A0M8HD2)

Kauf Fondsanteile November 2008 (Anlagebetrag)
20.000 €
50.000 €
Wert der Fondsanteile im Juli 2017
71.000 €
178.000 €
Wert der Fondsanteile zum 31.12.20171
73.000 €
182.500 €
steuerfreier Gewinn
53.000 €
132.500 €
Verkauf im Jahr 2022 (Wert Fondsvermögen1)
90.000 €
225.000 €
Kursgewinn seit 01.01.2018
17.000 €
42.500 €
Vorabpauschalen ab 2019
2.400 €
6.000 €
Steuern auf Vorabpauschalen
450 €
1.125 €
zu versteuernder Gewinn
14.600 €
36.500 €
Gewinn durch Freibetrag
70.000 €
175.000 €
1 Werte bei einer fiktiven Wertsteigerung von 5% jährlich (ab Juli 2017)

Umsetzung in der Praxis

Einfache Handhabung für Depotbanken

Da das neue Investmentsteuergesetz erst ab dem 01.01.2018 gilt, gibt es bislang keine praktischen Erfahrungen. Die Umsetzung des Gesetzes im Bereich der Fondsbesteuerung dürfte für die Depotbanken jedoch relativ einfach zu handhaben sein. Die auf künftige Ausschüttungen fällige Steuer kann anhand der Höhe der Ausschüttung leicht ermittelt werden. Ebenso kann immer zu Jahresbeginn für jeden Fonds ermittelt werden, ob eine Vorabpauschale fällig wird und in welcher Höhe sich diese pro Anteil bemisst.

Vorabpauschale

Dem Anleger, welcher Fonds mit fälliger Vorabpauschale in seinem Depot verwahrt, wird dann entsprechend der Anzahl, der von ihm gehaltenen Anteile, diese Steuer belastet. Wie das praktisch umgesetzt wird (Fondsverkäufe, Einzug vom Konto, etc.) wird sich zeigen, wenn diese Vorabpauschale erstmalig Anfang 2019 zur Anwendung kommt. Die Anrechnung der Vorabpauschalen dürfte ebenfalls keine Probleme bereiten, da für jeden Fonds und für jedes Kalenderjahr die Höhe einer eventuell fälligen Vorabpauschale pro Fondsanteil ermittelt wurde und beim Verkauf dem Anleger entsprechend seiner Haltedauer und der Anzahl der gehaltenen Fondsanteile diese Vorabpauschalen gutgeschrieben werden können.

Handling der Freibeträge

Gleiches trifft auf die Anwendung des Freibetrages auf die Kursgewinne beim Verkauf von Fonds zu, die vor 2009 gekauft wurden. Nach heutigem Kenntnisstand wird der Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro beim Finanzamt hinterlegt, die Depotbank führt beim Verkauf die fällige Abgeltungssteuer ab und der Anleger muss sich diese vom Finanzamt wieder zurückholen. Diese für den Anleger sehr umständliche Vorgehensweise wird hoffentlich noch vereinfacht. Unklar ist in diesem Zusammenhang auch noch die Rolle des jährlichen Freibetrages, der dem Anleger jedes Jahr aufs Neue zur Verfügung steht und den er theoretisch auch für fällige Steuern auf diese Altbestände nutzen könnte.

Was passiert bei einer Erbschaft?

Unklar ist beispielsweise auch die Vorgehensweise im Falle einer Erbschaft derartiger Fondsbestände. Da in diesem Fall die Fondsanteile unentgeltlich übertragen werden können, bleiben die Steuervergünstigungen erhalten. Da der Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro personenbezogen ist, würde den Erben somit auch der volle Freibetrag zur Verfügung stehen. Wenn der Erblasser seinen Freibetrag jedoch schon (teilweise) in Anspruch genommen hat, würde den Erben dieser Freibetrag erneut zur Verfügung stehen. Auch hier muss die praktische Umsetzung zeigen, wie diese Regelungen angewandt werden.

Begriffe

Bestandsschutz

Investmentanteile, die vor dem Jahr 2009 angeschafft wurden, genießen bislang Bestandsschutz, d. h. ein etwaiger Veräußerungsgewinn ist steuerfrei. Dieser Bestandsschutz soll zeitlich dergestalt gekappt werden, dass nur noch Veräußerungen steuerfrei sind, die vor dem 1. Januar 2018 vorgenommen werden. Bei der Veräußerung ab dem Jahr 2018 ist der seit 01.01.2018 entstandene Wertzuwachs grundsätzlich steuerpflichtig.

Freibetrag

Tatsächlich besteuert wird jedoch erst dann, wenn die Gewinne aus der Veräußerung von Altanteilen einen neu eingeführten Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro übersteigen. Durch diesen hohen Freibetrag bleibt der bei Einführung der Abgeltungsteuer eingeräumte Bestandsschutz für Veräußerungsgewinne bei Altanteilen im Ergebnis für die weit überwiegende Zahl aller Steuerpflichtigen erhalten.

Fondsgesellschaften

Die Steuer beträgt 15% der Bruttodividenden oder der Immobilienerträge Damit werden inländische und ausländische Publikums-Investmentfonds gleich besteuert, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.

anderen Ertragsarten

Alle anderen Ertragsarten – z. B. Zinsen, Gewinne aus der Veräußerung von Aktien und anderen Wertpapieren, Erträge aus Termingeschäften – sind auf Fondsebene steuerfrei.

Teilfreistellungen

Als Ausgleich für die Besteuerung der Dividenden und der Immobilienerträge auf Ebene des Investmentfonds wird ein Teil der Erträge, die ein Anleger aus dem Investmentfonds bezieht, von der Besteuerung freigestellt (sogenannte Teilfreistellung).

Ausschüttungen

Ausschüttungen eines Publikums-Investmentfonds sind beim Anleger grundsätzlich in voller Höhe steuerpflichtig. Sie unterliegen bei Privatanlegern der Abgeltungsteuer mit einem Steuersatz von 25%.

Vorabpauschale

Die Vorabpauschale ist der Betrag, um den die Ausschüttungen eines Investmentfonds innerhalb eines Kalenderjahres den Basisertrag für dieses Kalenderjahr unterschreiten.

Diese pauschale Bemessungsgrundlage tritt im neuen System an die Stelle der bisherigen ausschüttungsgleichen Erträge. Ohne die Einführung der Vorabpauschale könnten Investmentfonds als Steuerstundungsmodelle genutzt werden. Während ein Steuerpflichtiger, der direkt in Aktien und verzinsliche Wertpapiere oder in Immobilien investiert, jedes Jahr die ihm zufließenden Dividenden, Zinsen, Mieten und Pachten versteuern muss, könnte man mithilfe von Investmentfonds die Besteuerung zeitlich unbegrenzt vermeiden.

Basisertrag

Der Basisertrag wird ermittelt durch Multiplikation des Rücknahmepreises des Investmentanteils zu Beginn des Kalenderjahres mit 70 Prozent des Basiszinses nach § 203 Absatz 2 des Bewertungsgesetzes. Der Basisertrag ist auf den Mehrbetrag begrenzt, der sich zwischen dem ersten und dem letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreis zuzüglich der Ausschüttungen innerhalb des Kalenderjahres ergibt.

Die Vorabpauschale greift grundsätzlich immer dann, wenn im Veranlagungszeitraum die Ausschüttungen des Investmentfonds die Höhe einer risikolosen Marktverzinsung, den sogenannten Basisertrag, nicht erreichen.

Die Bundesbank leitet den Zinssatz aus der Höhe der langfristig erzielbaren Rendite öffentlicher Anleihen ab. Für das Jahr 2016 beträgt der Basiszinssatz 1,1%.

Kostenabschlag

Aus diesem Grund wird zur Berechnung der Vorabpauschale der Basiszins um den durchschnittlichen Kostenanteil von 30% gemindert. Mithin erfolgt der Ansatz von 70% des Basiszinssatzes.

Basisertrag des Fonds höher

Die tatsächlichen Ausschüttungen mindern die Vorabpauschale im Veranlagungszeitraum gegebenenfalls bis auf null.

Wertzuwachs

Die Vorabpauschale ist auf den Wertzuwachs des Investmentfondsanteils innerhalb des Kalenderjahres begrenzt.

versteuerte Vorabpauschalen

Während der Haltedauer beim Anleger versteuerte Vorabpauschalen werden vom Veräußerungs- beziehungsweise Rückgabegewinn im Rahmen der Schlussbesteuerung abgezogen. Hierdurch wird eine zutreffende Erfassung der tatsächlich über die Haltezeit vom Anleger erzielten Erträge und Wertzuwächse erreicht.

FAQ

Was ändert sich bei der Investmentfondsbesteuerung im Wesentlichen?

Ab dem 01.01.2018 müssen deutsche Fonds auf bestimmte Erträge Steuern in Höhe von 15% auf Dividenden, Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien aus dem Fondsvermögen zahlen, sofern diese Einkünfte des Fonds aus Deutschland stammen. Weiterhin steuerfrei bleiben Zinsen, Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren, Gewinne aus Termingeschäften, ausländische Dividenden und ausländische Immobilienerträge. Bislang wurde nur der Anleger besteuert, aber nicht der Fonds. Deutsche und ausländische Fonds werden somit im Hinblick auf deren Einkünfte aus Deutschland künftig steuerlich gleich behandelt.

Wie werden die Vorbelastungen der Fonds bei den Anlegern ausgeglichen?

Die Anleger zahlen für die Ausschüttungen des Fonds teilweise keine Abgeltungsteuer. Die Höhe der steuerlichen Teilfreistellungen richtet sich nach der Art des Fonds: Aktienfonds 30%, Mischfonds 15% und offene Immobilienfonds 60%, offenen Immobilienfonds mit Anlageschwerpunkt im Ausland 80%.

Wie ist der steuerliche Aspekt bei Fondsverkäufen mit Verlust?

Die Verluste aus dem Fondsverkauf können mit positiven Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden. Das gilt allerdings nicht für Fondsaltbestände, die vor 2009 gekauft wurden.

Können Anleger weiterhin Verluste vortragen?

Ja, der Vortrag von Verlusten bleibt weiterhin möglich.

Was ist die Vorabpauschale?

Die Vorabpauschale ist wirtschaftlich gesehen eine vorweggenommene Besteuerung zukünftiger Wertsteigerungen. Daher wird die Vorabpauschale beim Verkauf der Fondsanteile auch vom tatsächlichen Veräußerungsgewinn abgezogen.

Welche Erträge müssen bei thesaurierenden Fonds oder Fonds mit Teilausschüttung versteuert werden?

Thesaurierende und teilausschüttende Fonds werden zukünftig mit einem Mindestbetrag versteuert, wenn in dem Kalenderjahr ein Wertzuwachs erfolgt. Deshalb müssen Privatanleger in diesen Fällen Vorabpauschalen versteuern. Für diese gelten die gleichen Teilfreistellungen wie für die Besteuerung von Ausschüttungen.

Berechnung der Vorabpauschale?

Die Vorabpauschale ist die Differenz zwischen dem Basisertrag des Fonds und der Ausschüttung, diese wird von den depotführenden Stellen errechnet. Diese ermitteln zunächst zu Beginn eines Kalenderjahres (z.B. 01.01.2019) für das vorangegangene Kalenderjahr (z.B. 2018) den Basisertrag nach der Formel:

Basisertrag = 70% des jährl. Basiszinses x Rücknahmepreis der Fondsanteile zum Jahresbeginn des vorangegangenen Kalenderjahres (z.B. 1.1.2018).

Dann ziehen sie vom Basisertrag die Ausschüttung des letzten Kalenderjahres (z.B. in 2018) ab:

Vorabpauschale* = Basisertrag - Ausschüttung des letzten Kalenderjahres.

*HINWEIS: Die Vorabpauschale kann niemals negativ werden.

Für thesaurierende Fonds und Fonds mit Teilausschüttungen ergeben sich unterschiedliche Ergebnisse, die sich auf den Zeitpunkt der Steuerpflicht auswirken:

Thesaurierende Fonds

Da diese Fonds nichts ausschütten, entspricht die Vorabpauschale eins zu eins dem Basisertrag (Beispiel: Basisertrag 5 – Ausschüttung 0 = Vorabpauschale 5). Die Vorabpauschale gilt am ersten Werktag des Folgejahres als steuerlich zugeflossen.

Teilausschüttende Fonds

Ist die Teilausschüttung geringer als der Basisertrag (Beispiel: Basisertrag 5 – Teilausschüttung 2 = Vorabpauschale 3), muss der Anleger den ausgeschütteten Anteil und die Vorabpauschale zu unterschiedlichen Zeitpunkten versteuern: Die Teilausschüttung fließt dem Anleger aus steuerlicher Sicht zu, sobald er darüber verfügen kann. Die Vorabpauschale gilt dagegen erst am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen.

Was ist der Basiszins?

Der Basiszins leitet sich aus der langfristigen Rendite öffentlicher Anleihen ab und orientiert sich am Zinssatz, den die Deutsche Bundesbank anhand der Zinsstrukturdaten jeweils auf den ersten Börsentag des Jahres errechnet (Stand 2016 = 1,1%). Das Bundesministerium der Finanzen veröffentlicht den Basiszins im Bundessteuerblatt.

Kann die Vorabpauschale negativ werden?

Die Vorabpauschale kann nicht negativ sein. Zwar kann die Ausschüttung höher sein als der Basisertrag. In diesem Fall entsteht aber keine Vorabpauschale. Dem Anleger fließt die Ausschüttung aus steuerlicher Sicht zu, sobald er darüber verfügen kann.

Was passiert bezüglich der Vorabpauschale im Jahr der Veräußerung?

In diesem Fall müssen die depotführenden Stellen keine Vorabpauschale berechnen. Die Anleger versteuern beim Verkauf den Veräußerungsgewinn. Darin sind die im Jahr der Veräußerung (noch) nicht ausgeschütteten Erträge des Fonds enthalten.

Müssen Anleger von ausländischen thesaurierenden Fonds weiterhin über die Einkommensteuererklärung gehen, um eine Doppelbesteuerung beim Verkauf zu vermeiden?

Nein, dies ist nicht mehr notwendig. Eine Doppelbesteuerung beim Anleger wird insofern vermieden, da ab 1.01.2019 die depotführenden Stellen in Deutschland beim Verkauf der Fondsanteile die bereits besteuerten Vorabpauschalen automatisch mit dem Veräußerungsgewinn verrechnen. Das vereinfacht die Steuererklärung vor allem für Anleger ausländischer thesaurierender Fonds erheblich.

Woher nehmen thesaurierende Fonds das Geld, um die Steuer auf die als zugeflossen geltende Vorabpauschale an das Finanzamt abzuführen?

Seit 2012 stellen bisher in Deutschland aufgelegte thesaurierende Fonds den depotführenden Stellen Geld zur Verfügung, damit diese die Abgeltungsteuer (inkl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) an das Finanzamt abführen kann. Ab 1.01.2019 müssen die Fondsanleger selbst die Mittel zur Zahlung der Steuer bereitstellen.

Was passiert, wenn der Anleger der depotführenden Stelle keine Liquidität zur Begleichung der Steuerschuld auf die Vorabpauschale bereitstellt?

Die depotführende Stelle darf die erforderlichen Beträge zur Abführung der Steuer auf die Vorabpauschale auch ohne eine Einwilligung direkt vom Girokonto oder von einem anderen Einlagenkonto des Anlegers einziehen. Darüber hinaus kann sie auch mit dem Anleger vereinbarte Kontokorrentkredite für die Begleichung der Steuer nutzen, und zwar bis zur vereinbarten Obergrenze des Kontokorrentkredits.

Berücksichtigt die (deutsche) Depotbank bereits versteuerte Vorabpauschalen bei der Abführung der Steuer auf Veräußerungsgewinne automatisch, wenn der Anleger die Fondsanteile nach mehreren Jahren verkauft? Oder muss der Anleger gegenüber dem Finanzamt Zahlung und Höhe der geleisteten Steuern auf Vorabpauschalen gesondert nachweisen?

Nein, das ist nicht erforderlich. Denn deutsche depotführende Stellen werden die zugerechneten Vorabpauschalen berücksichtigen, wenn sie den steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn berechnen.

Der Bestandsschutz für Fondsaltbestände fällt weg (Kauf vor 2009)

Der Gesetzgeber tut so, als hätte der Anleger die Fondsanteile zum 31.12.2017 verkauft und zum 01.01.2018 neu erworben. Das bedeutet: für den fiktiven Gewinn aus der Veräußerung der Fondsaltbestände zum 31.12.2017 zahlt der Anleger keine Steuern – bis dahin gilt der Bestandsschutz quasi noch. Ab 01.01.2018 gilt: Wertsteigerungen der Fondsaltbestände ab diesem Zeitpunkt muss der Anleger grundsätzlich versteuern, sobald er sie veräußert. Für diese steuerpflichtigen Veräußerungsgewinne besteht ein Freibetrag von 100.000 Euro pro Anleger, mit dem die Veräußerungsgewinne verrechnet werden können.

Bezieht sich der Freibetrag auf die Anlagesumme oder den Gewinn aus der Veräußerung der Fondsaltbestände?

Der Freibetrag bezieht sich auf den Veräußerungsgewinn der Fondsaltbestände.

Gibt es für Ehepaare (mit Oder-Depots) zwei Freibeträge?

Jeder Anleger hat einen Freibetrag von 100.000 Euro. Damit profitieren Ehepaare von zusammen 200.000 Euro Freibetrag.

Fällt der Freibetrag für Fondsaltbestände weg, wenn der Fonds mit einem anderen Fonds verschmolzen wird?

Für in Deutschland aufgelegte Fonds gilt: Eine Verschmelzung von Fonds spielt für Anleger steuerlich keine Rolle. Das Kaufdatum der Anteile bleibt gleich, und der Anleger profitiert beim Verkauf vom Freibetrag von 100.000 Euro.